Klöckler, Scherenschleifer und Faschingsnarren – Winterbräuche in Kärnten

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Klöckler, Scherenschleifer und Faschingsnarren – Winterbräuche in Kärnten

Brauchtum und Tradition werden in Kärnten, dem südlichsten Bundesland Österreichs, mit Liebe gepflegt und mit Begeisterung gefeiert. Inmitten des Alpen-Adria Raumes, wo drei Kulturen zusammentreffen, sind sie besonders reich und vielfältig.

Flotte Sprüche für die Klöckler

Die Bauernburschen im Gegendtal zwischen Treffen und Afritz haben es nicht leicht, wenn sie an drei Donnerstagabenden im Advent mit viel Lärm und Glockenklang von Haus zu Haus ziehen, um den Bewohnern Gesundheit für das kommende Jahr zu wünschen. Es ist nämlich Sitte, die Klöckler nicht sofort hineinzulassen, sondern sie mit althergebrachten Sprüchen vor der Türe schmoren zu lassen. Sie müssen sich erst Einlass mit Versen und Gesängen erbitten. Dann aber wird ihnen von der Hausfrau eine herzhafte Klöckler-Jause serviert.
Informationen: Gemeinde Afritz am See www.region-villach.at

Der Tag der Scherenschleifer

Ein seltener Weihnachtsbrauch, der sich im Lavanttal und im Görtschitztal erhalten hat, ist das Roateln. Alles, was eine Schneide hat, wird vor Weihnachten geschärft und am Heiligen Abend unter den weiß gedeckten Tisch gelegt. Darauf stehen ein Reindling (traditioneller Kuchen aus Hefeteig mit süßer Fülle), eine Schale Weihwasser und Kerzen. Die Tischbeine werden mit eisernen Ketten umwickelt. So bleibt der Tisch bis zum Neujahrstag stehen. Es ist ein uralter Abwehr- und Bindezauber, der den Bauern Glück und eine gute Ernte bringen soll.

Kletzenbrot und Stockplattln

Im Lesachtal leben die Adventbräuche noch fort wie eh und je. Dort bäckt die Bäuerin noch das traditionelle Kletzenbrot, das mit Nüssen und getrockneten Früchten gefüllt wird, im Holzofen. In aller Frühe machen sich die Bauersleute in der Adventzeit zur Rorate auf. Sie stapfen durch den Schnee zur Basilika nach Maria Luggau, um in der Finsternis die Heilige Messe zu feiern. Am Heiligen Abend ist das Essen traditionsgemäß eher karg: keine Oberkärntner Weihnacht ohne Dampfnudeln mit Honigschmalz oder die traditionellen Stockplattln, die man im Lesachtal am Heiligen Abend verzehrt. Das sind Schichten aus Teig, die mit getrockneten Schwarzbeeren gefüllt und mit Honigschmalz übergossen werden. Tipp: Wer einmal Lesachtaler Stockblattlan probieren möchten, kann dies gleich mit einem Kurzurlaub im Lesachtal verbinden.

Schmankerl in Südkärnten

In Südkärnten ist es die „grüne Wurst“ (frisch zubereitete, nicht geräucherte Wurst) mit Kraut, die am Weihnachtstisch duftet. Erst am Christtag biegen sich dann die Tische von der Weihnachtsgans oder dem geschmortem Karpfen.

Kirchleintragen in Bad Eisenkappel

Als die Vellach Ende des Mittelalters über ihre Ufer trat, flüchteten die Bewohner des Tales in die Wallfahrtskirche Maria im Dorn in Bad Eisenkappel. Sie gelobten, dem Fluss eine beleuchtete Kirche aus Holz zu opfern. So geschah es, und tatsächlich ließ sich die Vellach, wie die Sage berichtet, beschwichtigen. Als Zeichen der Dankbarkeit für die Rettung aus ihrer Not übergeben die Bad Eisenkappeler Kinder bis heute alljährlich am 1. Februar, dem Abend vor Maria Lichtmess, selbstgebastelte, hellbeleuchtete und auf langen Stöcken getragene Kirchlein den Fluten. Die Prozession führt unter ständiger Wiederholung des Spruches „Ante pante populore, kozelna vrate cvilelore“ von der Volksschule aus, vorbei an der Kirche, über den Hauptplatz zur Brücke des Schlosses Hagenegg. Dort kann beobachtet werden, wie die Kirchlein der Vellach entlangschwimmen.

Villach: Narrenhochburg

Die zweitgrößte Stadt Kärntens punktet durch die Bewohner selbst, die viel südländische Sonne und Temperament im Herzen tragen und selten wo wird ausgelassener gefeiert als in Villach. Kein Wunder also, dass man in der Draustadt den Fasching als fünfte Jahreszeit bezeichnet! Bei den berühmten Faschingssitzungen im Januar und Februar nehmen die Narren das gesellschaftliche und politische Leben des Landes mit ihrem Schlachtruf „Lei, Lei!“ aufs Korn. Die Höhepunkte der Sitzung werden am Faschingsdienstag im ORF in die österreichischen Haushalte übertragen.

Faschingshöhepunkt und -abschluss ist der Faschingssamstag (14. Februar 2015), wenn tausende Maskierte aus ganz Kärnten und den benachbarten Ländern in einem festlichen Umzug durch die Altstadt marschieren. In den Geschäften und Lokalen sind die Mitarbeiter maskiert, und Musikgruppen heizen schon ab den Morgenstunden die Stimmung an. Um auch den Kleinsten eine bleibende Erinnerung an diesen Tag zu bieten, gibt es jedes Jahr ein umfangreiches Kinderprogramm. Am Umzug am Nachmittag nehmen jedes Jahr um die 150 Gruppen mit mehr als 3.000 Närrinnen und Narren teil. Der Festzug wird von zehntausenden Besucherinnen und Besuchern verfolgt. Die schönsten und aufwendigsten Maskierungen werden in verschiedenen Kategorien durch eine unabhängige Jury bewertet und prämiert. Im Anschluss an den Narrenfestzug geht es in den Lokalen der Villacher Innenstadt weiter, dann wird gefeiert bis in die frühen Morgenstunden.

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Bräuche in Kärnten - die Kärntner Bräuche sind historisch gewachsen. Sie unterliegen den Gesetzen der Entwicklung und ändern sich auch mit der Zeit.
Kärntner Brauchtum ist nichts Fertiges. Die Bräuche entstehen, verlieren an Bedeutung, entarten manchmal auch oder gehen überhaupt unter. Ständig werden sie jedoch “gebraucht”, was dem Wort “Brauchtum” auch seinen Sinn gibt.

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